Schwarzer Apollo (Parnassius mnemosyne)

aus der Familie der Ritterfalter (Papilionidae)

Die unauffälligere Schwesterart de Roten Apollo

Mit einer Flügelspannweite von 5 bis 6 cm gehört der Schwarze Apollo zu den auffälligeren Vertretern der heimischen Tagfalter. Die Flügel sind von weißer Grundfarbe mit einigen dunklen Flecken. Die ansonsten für die Gattung Parnassius typischen roten Augenflecke auf den Hinterflügeln fehlen bei dieser Art. Der äußere Rand der Vorderflügel ist fast durchsichtig. Die für die Farben der Schmetterlingsflügel verantwortlichen Schuppen (abgeplattete Chitinborsten) stehen in diesem Bereich weit auseinander.

Männchen und Weibchen kann man mit etwas Erfahrung an ihrer Flügelzeichnung unterscheiden: Die dunklen Flecke und der durchsichtige Flügelrand sind beim Weibchen etwas größer.

Bei den Weibchen kann man häufig am Hinterleib eine Begattungstasche (Sphragis) beobachten, eine Besonderheit, die man nur bei den Apollofaltern findet. Die Sphragis des Schwarzen Apollo ist weiß, hart, etwa von der Form eines quer halbierten Schiffes und halb so groß wie der gesamte Hinterleib.

Die Begattungstasche wird vom Männchen während der Begattung gebildet und dem Weibchen an den Hinterleib geheftet. Damit verhindert das Männchen, dass sich das Weibchen mit weiteren Männchen paaren kann und sichert so seinen eigenen Fortpflanzungserfolg.

Raupen lieben Lerchensporn

Die Flugzeit des Schwarzen Apollo beginnt in der Rhön je nach Schneeschmelze und Frühlingsbeginn ab Ende Mai oder Anfang Juni und zieht sich bis Anfang Juli hin. Die einzelnen Falter fliegen jedoch nur zwei bis drei Wochen.

Lebensraum des Schwarzen Apollo sind Wiesen am Waldrand sowie breite Wegschneisen und kleinere Kahlschläge und Lichtungen im Wald.

Die Weibchen kleben ihre Eier an dürre Halme und Stängel unmittelbar über dem Boden, allerdings nur in direkter Nähe zu Pflanzen des Hohlen und des Mittleren Lerchensporns, den Futterpflanzen der Raupen. Die Raupen überwintern noch in den Eiern und schlüpfen in den ersten Frühlingstagen ab Ende März.

Wie Apolloraupen Sonne tanken

Die Lerchenspornpflanzen treiben um diese Zeit aus und die Raupen können sofort mit dem Fressen beginnen. Die Eile ist auch angebracht, denn bereits im Mai vergilben und vertrocknen die oberirdischen Teile der Lerchenspornpflanzen, so dass die Raupen ihr Wachstum bis zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen haben müssen.

Diese schnelle Entwicklung schaffen sie nur mit Hilfe eines ausgeklügelten Verhaltens und ihrer schwarzen Körperoberfläche. Die Raupen setzen sich in die Sonne und absorbieren durch ihre dunkle Körperoberfläche die Wärme der Sonnenstrahlen. Wenn sie genügend Wärme getankt haben, krabbeln sie wieder in den Schatten, um sich nicht zu überhitzen. Diese Art der Temperaturregulation funktioniert jedoch nur an stark besonnten Stellen, weshalb die Raupen des Schwarzen Apollo auf Waldränder und lichte Stellen im Wald angewiesen sind.

Am Ende ihrer Entwicklung spinnen sich die Raupen in einen Kokon ein. Darin verwandeln sie sich in eine Puppe, in der sich der fertige Schmetterling entwickelt und nach zwei bis drei Wochen schlüpft.

Im geschlossenen Hochwald ist es zu kalt.

Im geschlossenen Hochwald mit den vielen beschattenden Bäumen können die Raupen also nicht überleben, obwohl gerade hier die beiden Lerchenspornarten besonders reichlich wachsen. Das zunächst reichliche Futterangebot verschwindet im Mai zusehends; auf Grund der Beschattung und der geringeren Temperaturen können die Raupen hier ihre Entwicklung jedoch nicht erfolgreich abschließen.

Vom Aussterben  bedroht

In der Rhön lebt der Schwarze Apollo an wenigen Stellen in den höheren Lagen über 700 m. Die meisten Vorkommen sind eng begrenzt, so dass die Falter oftmals auf ein Gebiet von 100 m Durchmesser beschränkt bleiben.

In Deutschland kommt der Schwarze Apollo nur in wenigen Mittelgebirgen vor. Neben der Rhön gibt es Vorkommen im Harz, im Vogelsberg, auf der Schwäbischen Alb, im Alpenvorland und in den Alpen. Im Harz und im Alpenvorland gilt die Art inzwischen als ausgestorben und auch in der Rhön sind in den letzten Jahren einige Vorkommen erloschen oder auf sehr wenige Tiere zurückgegangen. Als Ursachen kommen die Umwandlung von lichten Laubwäldern in dunkle Hochwälder oder gar Nadelwälder und die intensive und mehrmalige Mahd von Waldwiesen in Frage.


Gute Überlebenschancen hat der Schwarze Apollo dort, wo kleinere Wind- und Schneebrüche sowie Kahlschläge nicht sofort wieder aufgeforstet werden und einige Jahre als Lichtung mit nur geringem Strauchbewuchs erhalten bleiben.

Text: Wolfgang Seufert

Foto: Marcel Unbehaun
Foto: Marcel Unbehaun