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Öko-Tipps

Quellenerfassung und Quellenschutz in der Vorderrhön (2024)

Ein Projekt zur Sensibilisierung für die Wasserverfügbarkeit in der Region

Im Jahr 2024 findet ein Projekt zur Quellenkartierung im Landkreis Bad Kissingen statt. Das Citizen-Science Projekt soll für den Quellenschutz sensibilisieren.

Quellen sind sehr spezielle und faszinierende Ökosysteme, die es sich zu schützen und erkunden lohnt. Sie entspringen an der Schnittstelle zwischen Grundwasser und Bachoberlauf. Der Raum in und um Quellen ist voller Leben und ist ein Gebiet, in dem zahlreiche hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten beheimatet sind. Damit tragen Quellen einen bedeutenden Teil zur Biodiversität bei.

Diese einzigartigen Biotope werden dieses Jahr mithilfe des Citizen-Science Projekts der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen in den Fokus gerückt. Das Projekt dient der Quellenerfassung und dem Quellenschutz in der Vorderrhön. Das Wissen über unsere Quellen im Landkreis soll verbessert und die vorhandenen und oftmals noch unbekannten Quellen durch Citizen-Science kartiert und untersucht werden. Alle Quellen-Begeisterten und die, die diesen Bereich neu für sich erkunden möchten, sind eingeladen, aktiv zu werden und bei dem Projekt mitzuhelfen.

Durch spannende Veranstaltungen und Aktionen wird allen Interessierten die Möglichkeit geschenkt, die besondere Welt der Quellen näher kennenzulernen und praktisch beim Schutz dieser mitzuhelfen.
 


Auftakt des Quellenprojekts

Wir blicken auf ein großartiges Quellenwochenende mit den ersten Veranstaltungen zum Projekt Quellenkartierung im Landkreis Bad Kissingen zurück.

Zum Auftakt fand am Samstag, den 09.03.2024 die erste Quellenkartierungsschulung im Haus der Schwarzen Berge statt. Nach einer Begrüßung durch Franz Zang, Vorsitzender der Kreisgruppe Bad Kissingen, und Projektleiterin Carina Kömpel, startete der Vormittag mit grundlegenden Informationen zu Quellen in Form eines spannenden Vortrags von Quellenexperte Stefan Zaenker.

Im Anschluss stellte er die praktische Kartierungsapp CaveLife vor, die ursprünglich für die Erfassung von zoologischen Daten aus Höhlen entwickelt und für dieses Projekt auch auf den weiteren Lebensraum Quelle ausgeweitet wurde. Nach dem Mittagessen fand der praktische Teil der Schulung in Quellgebieten der Schwarzen Berge statt. Hier haben die Teilnehmenden sogar eine neue Quelle gefunden und daran direkt die Quellenkartierung veranschaulicht bekommen. Neben grundlegenden Daten, wie die Art der Quelle und die Pflanzen in der Umgebung, wurden auch Temperatur, pH-Wert und elektrische Leitfähigkeit gemessen und in die App eingetragen. Für die Untersuchung der Kleinstlebewesen wurden Proben genommen, die dann unter dem Mikroskop bestimmt werden können und zu einer genaueren Datenlage über Quellen als Lebensraum beitragen.

Im Anschluss an die Schulung werden sich nun die Teilnehmenden in Kleingruppen im Projektgebiet Bad Kissingen, Münnerstadt und Nüdlingen auf die Suche nach Quellen machen, diese untersuchen und mithilfe der App kartieren. Wer Interesse hat, an den Quellenkartierungen im Projektgebiet mitzumachen oder gerne weitere Informationen zum Projekt wünscht, meldet sich gerne bei Projektleiterin Carina Kömpel unter carina.koempel@bund-naturschutz.de.

Auch die Quellenwanderung am Sonntag, den 10.03.2024 war ein erfolgreicher und spannender Nachmittag. Stefan Zaenker führte die zahlreichen Interessierten am Totnansberg an verschiedenen Quellen vorbei und begeisterte die Menschen mit seiner mitreißenden Art. Hier konnte auch die Kartierung einer neuen Quelle gezeigt werden. Der spannendste Teil der Führung war sicherlich für einige, die Kleinstlebewesen wie Flohkrebs, Alpenstrudelwurm und allen voran die Rhönquellschnecke aus der Nähe zu betrachten. Mit weiteren interessanten Infos über Quellen überraschte Stefan Zaenker auch einige Teilnehmenden, zum Beispiel warum er nicht dazu raten würde, aus einer Quelle zu trinken.

Eindrücke des Quellenwochenendes


Quellen im Sinntal – vergessene Lebensräume? (2005)

Quellen sind emotional ansprechende und faszinierende Biotope an der Schnittstelle zwischen Grundwasser und Bachoberlauf. Sie beherbergen zahlreiche hochspezialisierte Tiere, in der Rhön u.a. auch die weltweit nur hier (und im Vogelsberg) vorkommende Rhön-Quellschnecke.

Dieser „Sonder-„ Lebensraum mit seinen ganzjährige konstanten, ausgeglichenen Bedingungen wurde auch in unserem Landkreis bisher kaum beachtet, es liegen so gut wie keine Erfassungen vor. Ein effektiver Schutz dieser sensiblen Ökosysteme setzt aber, abgesehen von strengen gesetzlichen Grundlagen, eine umfassende Datenerhebung voraus.

Vor diesem Hintergrund hat die Kreisgruppe im Jahr 2004 mit finanzieller Förderung durch die Sparkassenstiftung Bad Kissingen begonnen, mit einer einheitlichen Methode Quellen im Einzugsgebiet der Sinn zu kartieren. Bis Mitte 2005 konnten durch Eva Reichert-Nelkenstock/Eckarts, zeitweise unterstützt von Uli Floth/Geroda, 150 Quellen erfasst und ausführlich dokumentiert werden (Temperatur, pH, Leitfähigkeit, Vegetation, Tierartenbestand aus Sedimentprobe sowie ergänzenden Käscherfängen über Quellbereich, menschliche Veränderungen, Gefährdungen, Fotodokumentation).

Diese für unsere Region einmalige Kartierung steht in Zusammenhang mit weiteren Kartierungen gleichen Standards im Biosphärenreservat Rhön, welche alle von Stefan Zaenker/Fulda vom Verein hessischer Höhlen- und Karstforscher koordiniert und per EDV (Dateneingabe in eigenes Erfassungsprogramm) unterstützt werden. Herr Zaenker übernimmt auch die Sortierung und Weiterleitung der Tierproben an entsprechende Bestimmungsspezialisten in ganz Europa. E

Ergebnisse sind ausführlich hier dargestellt (PDF, externer Link)

Literaturverzeichnis (externer Link)

 


Fotos der 2004 kartierten Quellen

Fotos von Uli Floth

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