MenuKreisgruppe Bad KissingenBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Klimaschutz muss kommunaler Schwerpunkt werden, 29.02.2020

Fuchsstadt:
Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung des Bund Naturschutz (BN) Kreisgruppe Bad Kissingen referierte Dr. Christine Margraf, stellvertretende. Landesbeauftragte des BN, zum Thema Klimaschutz in Bayern - Anspruch und Realität.
"Die Klimakrise macht sich gerade in Unterfranken immer deutlicher bemerkbar. Den Kommunen kommt eine zentrale Rolle beim Klimaschutz zu,“ begann Margraf ihren mit Anregungen dicht gepackten Vortrag. Unter dem Motto global denken, lokal handeln, führte Margraf die Herausforderungen und vor allem die Möglichkeiten der Kommunen aus, das Lenkrad bei der Klimaerwärmung noch herumzureißen. Die aktuellen Rahmenbedingungen durch das neue Klimaschutzgesetz sind in Bezug auf Klimaschutz eher dürftig. Das Gesetz ist eines von zwei Gesetzen, das nicht einklagbar ist. Wie soll es dann konsequent und zügig umgesetzt werden?

Dass wir sofort handeln müssten, um die schon mit Nichtstun vertanen Jahre aufzuholen, dürfte mittlerweile bei jedem angekommen sein. Prominente Klimaforscher wie etwa Professor Dr. Paeth aus Würzburg  stellen die dramatischen Folgen der Klimaerwärmung für Landwirtschaft, Wirtschaft und Mitmenschen seit Jahrzehnten dar.
Margraf appelliert, endlich anzufangen, vorallem da die Prognosen immer stärker zu schnellerer Erhitzung korrigiert werden müssen. Weltweit ist an den Polkappen schon der Kipppunkt erreicht, dass ein Schmelzen der Eisschilde nicht mehr zu stoppen ist.Wir brauchen eine Vollbremsung des CO2-Ausstosses, da wir die letzten Jahrzehnte nichts erreicht haben. Der Verkehr spielt hier neben Landwirtschaft, Strom und Wärme eine entscheidende Rolle. Mit den bisher gesetzten Zielen der Bundesregierung ist schon jetzt klar, dass wir das Ziel die Erwärmung bei 1,5C zu stoppen nie erreichen.100 Prozent Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Energiesparen, aber auch Überdenken unseres auf immer mehr Wachstum ausgelegten Lebensstils sind dringend geboten.
Hier fordert die BN-Landesbeauftragte bis 2040 das Halbieren der Energieverbräuche und den Aufbau von 100% Erneuerbare Energien. Dazu müssen in den Kommunen vor Ort Kommunale Bedarfspläne, Energienutzungspläne, ein Integriertes Klimaschutzkonzept erstellt werden. Unabhängige Energieberatung, ein Klimabeirat, jährliche Klimaberichte helfen die CO2-Reduktion voranzubringen. Der Beschluss des Klimanotstands im Gemeinderat verdeutlicht jedem, dass etwas getan werden muss. Gemeinwohl-Bilanzen zeigen auf, dass wirtschaftliches Wachstum allein nicht das Hauptziel sein kann.

„Klimaschutz muss kommunaler Schwerpunkt werden. Die Energieversorgung der Zukunft ist in kommunaler und Bürgerhand. Arbeitsplätze und Wertschöpfung bleiben in der Region,“ fordert Margraf die Kommunen zu mehr Einsatz und Zivilcourage auf.

Als Beispiel führte Margraf die 1700 Seelen Gemeinde Fuchstal-Leeder (Lkrs Landsberg/ Lech) an, die zur Bioenergie-Kommune 2019 ernannt wurde und eine der „modellhaften Zukunftskommunen für nachhaltige Entwicklung ist. Dies ist eine Auszeichnung des BMELF für Orte, die mindestens die Hälfte ihres Strom- und Wärmebedarfs aus regional erzeugter Biomasse decken.
Bei der Mobilitätswende und Flächenschutz sind die Kommunen auch gefordert. Mit regionalen Produkten entsteht weniger Verkehr. Der Naturschutz ist für die Klimaanpassung  und den Kampf gegen Klimaerwärmung ebenfalls wichtig.
Margraf freute sich über die Aktionen der BN-Solarbotschafter im Landkreis Bad Kissingen, appellierte aber an alle Bürger und zukünftigen Kommunalpolitiker den Klimaschutz als dringlichste Maßnahme im Landkreis umzusetzen. Denn Klimaschutz schaffe bzw. halte auch Arbeitsplätze vor Ort.
Text: E. Assmann

Forderungen der BN-Kreisgruppe an die Kommunen (29.02.20):

Wir fordern den Landkreis, die Städte und die Kommunen auf, so schnell wie möglich folgende Maßnahmen umzusetzen bzw. ihre Planungen entsprechend auszurichten:

  1. Die Ernährung in Kindergärten, Schulen und kommunalen Einrichtungen sollten unverzüglich auf regionale, ökologische und überwiegend vegetarische Mahlzeiten umgestellt werden.
  2. Statt neue Baugebiete auszuweisen, sollte die Entwicklung der Orts- und Stadtkerne ernsthaft angepackt werden. Dies würde langfristig auch die finanzielle Belastung der Kommunen verringern. Beispiele für das Gelingen solcher Maßnahmen gibt es genug. Wir erleben zu häufig, dass kommunale Gremien die Empfehlungen z. B. des Amtes für ländliche Entwicklung oder der Regierung völlig ignorieren.
  3. Die Verpachtung bzw. Bewirtschaftung kommunaler Flächen ist künftig an folgende Bedingungen zu knüpfen: Die Bewirtschaftung von Äckern und Grünland muss sich an den Kriterien einer ökologischen Landwirtschaft ausrichten. Das bedeutet nicht nur den Verzicht auf einen Pestizideinsatz  sondern auch eine angepasste Bewirtschaftung: Vorgaben von Mähzeitpunkten sowie das Mähen mit Messerbalkenmähwerken. Auch die kommunalen Wälder sollten so bewirtschaftet werden, dass Waldböden mit ihrer Streuschicht und der Humusbildung als CO2-Senken wirksam werden können.
  4. Alle kommunalen Dächer, vom Kindergarten bis zum Rathaus, sollten, soweit sinnvoll, mit PV-Anlagen vollständig belegt werden. Der Slogan „Macht die Dächer voll!“, gilt auch hier. Die Kommunen sollten beispielhaft vorangehen und ihre Bürger zur Installation von PV-Anlagen anleiten und bei der Umsetzung helfend zur Seite stehen. Das Gleiche gilt für die energetische Sanierung kommunaler Gebäude, Neubauten sollten mindestens den Standard für Nullemissionshäuser erfüllten.