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Ehrenvorsitzender Ulf Zeidler feiert am 5.3. seinen 90. Geburtstag

Urgestein des Naturschutzes Ulf Zeidler – der Name steht für praktischen Arten- und Umweltschutz vor Ort und Ausbildung von Artenkennern.

Wenn der Artenschutz im Landkreis einen Fürsprecher und Namen hat, dann ist es die Stimme von Ulf Zeidler.

 

05.03.2026

Auch nachdem er seinen Vorsitz der Kreisgruppe Bad Kissingen des Bund Naturschutz (BN) 2012 nach dreißig Jahren als einer der dienstältesten Vorsitzenden an Jüngere (zuerst an Franz Zang, aktuell Alex Beck) abgegeben hat, verfolgt  er noch aktiv, was im Artenschutz passiert und unterstützt die BN-Aktiven mit Ratschlägen vor Ort. 
Bis vor kurzem war Zeidler noch regelmäßig bei den Aktiventreffen und Veranstaltungen der Kreisgruppe.  Anrufe zu verletzten Vögeln, Fragen zu Hornissen und Umweltfreveln sind nur eine kleine Auswahl der Themen, bei denen er sich auskennt. Immer noch ist das 

Wissen und Organisationstalent des Mitbegründers und Ehrenvorsitzenden der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen sehr gefragt. Bleibende Spuren seiner Arbeit sind vor allem die vielen Menschen, die er für die Natur begeistern und die er miteinander vernetzen konnte.

 Angefangen hat es mit dem Amphibienschutz, indem einige Gleichgesinnte 1973 bei Waizenbach (der Dorfpfarrer mit seiner Frau), sich zu einem Sammelteam zusammenfanden und in zwei bis drei Wochen Tausende von Erdkröten über die Straße trugen. Ein Zeitungsartikel darüber machte die Aktion bekannt und es gab viele Anfragen, wie man die Amphibien, auch sicher für die HelferInnen über die Straße zum Laichplatz bringen kann. Absprachen mit der Polizei, der Straßenmeisterei waren nötig. Alles war Neuland.  Heute werden viele dieser Initiativen Zeidlers und seiner Mitstreiterinnen von Behörden wie der Naturschutzbehörde oder Abfall- bzw. Wasserwirtschaftsamt geregelt und betreut oder es gibt gar neue Berufsbilder wie Ranger oder die Umweltbildung. Auch als Berufssoldat und Oberstleutnant war er einer der Pioniere des Naturschutzes auf den Truppenübungsplätzen, organisierte überregionale Exkursionen, Fachtagungen zur Weiterbildung von Artenspezialisten, half mit nach der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze im Osten BUND-Ortsgruppen etwa in Meiningen aufzubauen, war einer der Initiatoren, das Rhönschaf, damals kurz vor dem Aussterben, heute das Symboltier der Rhön,  zu retten. Während seiner Vorstandschaft in der BN-Kreisgruppe baute er mit seinen Aktiven die Biotoppflege auf über 100 Hektar auf, vom Trockenrasen, Streuobstwiese bis zur Feuchtwiese mit zahlreichen Pflanzen- und Tierarten, die so ein gesichertes Überleben finden. Durch den Kauf von Grundstücken wurden Biotope vor der Zerstörung gesichert: So sollten die Schilfflächen bei Diebach und der Teich in Oberbach zu Fischteichen umgestaltet werden. Das Tintenfass am Berghaus Rhön gehört dem BN, ursprünglich zum Schutz der Geburtshelferkröte, mittlerweile ist der Ort ein hot spot des Tourismus. Mit dem Anlegen von Teichen im Wald in Zusammenarbeit mit dem Forst und den Kommunen, packte Zeidler schon früh für Arten- und Klimaschutz zukunftsweisende Projekte an. Ähnliches gilt für die Mitgestaltung und Mitfinanzierung von Gehegen im Wildpark Klaushof. Von der Wildkatze, dem Luchs und dem Biber sowie der Auffangstation für verletzte Greifvögel waren Zeidler und der Bund Naturschutz maßgeblich beteiligt. Unter seinem Vorsitz wurde der öffentlich zugängliche Sinnberggarten in Bad Kissingen oder auch die Riedelgrube in Ebenhausen gestaltet und zum Teil auch Jahrzehnte gepflegt. Die Liste der Initiativen und Projekte, die Zeidler betreute, ist lang und kann hier nicht vollständig aufgeführt werden. 
A propos Geld für Umweltschutz: auch hier war Zeidler kreativ.  Viele Projekte wie etwa die Sinnallianz wurden z.B.  durch Erbschaften, Stiftungsgelder wie z.B. die der Kurt-Lange-Stiftung oder auch den Bayerische Naturschutzfonds finanziert. Die Streuobstwiesen bei Großenbrach konnten durch die Tantiemen des Komponisten Johannes R. Köhler gekauft werden. Dadurch wurden viele alte Obstbaumsorten vor dem Roden bewahrt. Die Liste ist noch um einiges weiterzuführen. Aber das Wichtigste sind die begeisterten Menschen, die Zeidlers Werk weiterführen, gemeinsam und als Netzwerk.  „Wie wir mit dem Artenschutz anfingen, gab es noch keine Naturschutzbehörde, kein Wasserwirtschaftsamt, keinen Recyclinghof, keine Giftmüllsammlung. Das haben wir alles mitinitiiert und sind stolz auf die immer noch guten Kontakte miteinander.“  

 „Ich hätte bei der Bundeswehr Karriere machen können, aber nach der Ausbildung im Bayerischen Wald, bin ich in Diebach sesshaft geworden und habe mich in die Rhön verliebt, “ So Zeidler. Bereits zwei Jahre nach Gründung der BN-Kreisgruppe im Jahr 1973 wird er als stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender in den Vorstand gewählt und arbeitete seitdem unermüdlich für die Belange des Umweltschutzes, vom Volksbegehren "Aus Liebe zum Wald“ 2004 über den Kampf gegen die A71. 

Zeidler organisierte auch sehr gern Reisen in naturkundlich interessante Gebiete  und entstehende Nationalparke wie etwa Polen, Camargue, Rumänien. Insgesamt waren das über 50 Exkursionen mit Freunden und Aktiven aus dem Umweltschutz. Diese Reisen fanden oft als Dankeschön für die ehrenamtliche Arbeit der TeilnehmerInnen statt.  Auch für die Seniorenheime im Landkreis veranstaltete Zeidler Halbtagesfahrten in landschaftlich attraktive Gebiete. Die Seniorinnen und Senioren waren sehr dankbar für dieses Angebot.  So entstanden wertvolle Netzwerke, die im Bereich des Artenschutzes zwischen Einzelpersonen, Behörden und Verbänden, die auch über die aktive Zeit hinaus bestehen bleiben. 
Für sein Engagement im Umweltschutz wurde er mehrfach ausgezeichnet: unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz, dem bayerischen Umweltschutzpreis und 2014 mit der bayerischen Naturschutzmedaille. Die Stadt Hammelburg ehrte ihn 2013 mit der Bürgermedaille.  Der Landkreis Bad Kissingen hat Herrn Zeidler 2004 das Landkreisehrenzeichen in Silber verliehen.
Das Engagement von Ulf Zeidler im praktischen Naturschutz ist schon immer für viele von uns ein Vorbild,“ so Dr. Alexander Beck, der aktuelle Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen, „Er hat eine solide Basis für den Umweltschutz in unserem Landkreis und auch bayernweit geschaffen. Ohne sein Renommee beim BN-Landesverband, bei den Behörden, seine Fähigkeit Mitmenschen für ehrenamtliche Tätigkeiten zu begeistern, hätten wir nicht so viele Projekte umsetzen können. Tier, Pflanzen und Menschen danken es ihm.“ Mit seiner Ehefrau Ilse, die 2025 leider verstarb, war jeder Naturschutzaktive in seinem Haus willkommen zu einer Tasse Tee, einer Mittagspause und intensiven Gesprächen rund um den Artenschutz. Auch heute noch lädt Zeidler die Fledermauskontrolleure, wenn sie in Diebach die Tiere im Kirchendachboden kontrollieren, auf ein Frühstück ein. Seine Pflegerin Lilly versorgt dann die Gäste bestens.  In seinem jetzigen Unruhestand hat Zeidler mehr Zeit für seinen Garten und für seine Familie. Seine vier Kinder, neun Enkeln und 18 Urenkeln besuchen ihn gerne und genießen sein Wissen zu Jagd, Angeln, Garten und Tiere im Allgemeinen.